Argumentieren statt beklagen

Bei der Mitgliederversammlung am 16. Juli 2009 in Furtwangen-Rohrbach haben wir darüber berichtet und beraten, wie das Wachsen und Weichen nicht alternativlos bleibt. Denn was vor Jahren als Alternative galt, wie biologischer Landbau oder Direktver-marktung sind vom Marketing der Supermärkte vereinnahmt und über Regulierungen Treiber des höflich Strukturwandel genannten Wachsen und Weichen. Weil die idyllischen Bilder der Werbung von Landschaft und Schwarzwald-höfen immer weniger zu finden sind, schüren sie das Misstrauen der Verbraucher, die mit ihrer Überzahl wiederum Forderungen an die Politik stellen. Die Politik reagiert darauf die Förderung der Landwirtschaft mit immer mehr Forderungen und Auflagen zu verknüpfen. Zudem führt der Handel mit der Politik neuerdings einen Wettbewerb mit Regulierungen, insbesondere ums Tierwohl, die kleinere und naturnah wirtschaftende Höfe immer weniger erfüllen können. Diese wachsende Fremdbestimmung treibt die Tretmühle des Wachsen und Weichen und  raubt den Bauernfamilien das Gefühl der Selbstwirksamkeit. Die Agrarpolitik schmiert diese Hamsterrad mit Investitionsförderungen, Flächenprämien und Prämien für neue Qualitätsstandards.

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Wir versuchen diesen Teufelskreis aufzuklären, denn daran haben die vom Wirtschaftswachstum  abhängigen Institutionen kein Interesse. Zwar kann der einzelne Bauer nicht einfach aus der Tretmühle aussteigen, aber mit Bewusstsein darüber kann er mit seinen Entscheidungen  die Tretmühle beschleunigen oder bremsen. In einem Netzwerk mit Querdenkern zum Mainstream informieren wir im letzten Jahr über Kernfragen wie funktioniert die Wirtschaft und der Boden oder Rechnen wir richtig?  Denn die übliche Diskussion über Landwirtschaft greift zu kurz, da Landwirtschaft Teil unseres Wirtschaftssystems ist und ebenso vom Boden ihres Standorts abhängig ist. Deshalb begnügen uns nicht mit aufklärenden Vorträgen, sondern probieren die Impulse zu erden mit dem Standort Schwarzwald. Diesen Spagat zwischen Land und Wirtschaft üben wir zum Beispiel in Weidegesprächen. Hat doch der Zeitgeist das Denken auf Preis und Leistung reduziert und übersieht die Zusammenhänge von Umwelt, Futter und Leistung. In den zunehmenden Hitzeperioden offenbaren sich jedoch diese übersehenen Abhängigkeiten.

Deshalb stand bei der Mitgliederversammlung unseres Forums die Frage im Zentrum, was von unseren Gesprächspartnern zu lernen sei?  Es ist vor allem die Bodenständigkeit der Schlüsselpersonen, die bei vor allem bei  Infotouren, wie im letzten Jahr ins Elsaß, ins Auge gestochen ist. Diese Bodenständigkeit ist mehr als eine aufgesetzte Tradition, wie der Bollenhut im Schwarzwald. Sie ist eine kulturelle Identität mit Region und ihren Spezialitäten, die sich nicht  hinter Sigeln und Richtlinien verstecken braucht, sondern der Landbewirtschaftung Sinn gibt.  Sie argumentieren mit Fakten praktischer Ökologie und strahlen damit Selbstbewusstsein aus. Diese kulturelle Identität kann an nicht kopieren, sie ist dann nur Marketing, was auf Konkurrenz setzt und über dessen Auflagen wieder geklagt wird. Vielmehr besteht im Schwarzwald die Herausforderung, die kulturelle Identität zu entdecken, die hinter dem kulturellen Erbe der Schwarzwaldhöfe schlummert.

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Dieses Erbe könnte sogar Vorbild sein für eine Landwirtschaft mit weniger Ressourcenverbrauch und Umweltbelastung. Waren doch die Schwarzwaldhöfe ohne Fremdenergie entstanden und haben eine  standortangepasste Vielfalt hervorgebracht. Ihre Weiden und Wiesen haben immer wieder Bodenfruchtbarkeit aufgebaut, um auch am armen Standort  Ackerfrüchte zur Versorgung anbauen zu können. Mit
der Klimakrise erhält diese humusaufbauende Leistung der Weiden und Wiesen
eine noch wenig beachtete Bedeutung.

Deshalb ist es an der Zeit mit diesen klimapositiven Fakten der Weiden und Wiesen zu argumentieren, damit der Klimaaktionismus nicht Auflagen bringt, die Grünland in Sippenhaft nehmen, wie wir es mit der Düngeverordnung erleben. Das heißt, die Diskussion nicht Anderen zu überlassen, sondern sich mit ökologischen statt technischen Argumenten einmischen. Aus der Einsicht, dass sonst Forderungen an die Politik zu Regelungen führen, die wieder beklagt werden und die Tretmühle des Wachsen und  Weichen antreiben.