Die Bilder in den Köpfen entwirren

Beim Schwarzwaldbauerntreff am 10. Juli 2018 offenbarte sich, wie die Bilder von Landwirtschaft in den Köpfen der Gesellschaft Bauern und Bäuerinnen belasten. Es sind Bilder, die mit dem wirklichen Erleben auf den Höfen im Schwarzwald immer weniger in Einklang stehen. Bilder voller Widersprüche zwischen wilder Natur auf dem Land, nicht mehr kostendeckenden Erlösen, einer wuchernden Fremdbestimmung und Abhängigkeit von staatlichen Prämien. Im Grunde Zeichen Wohlstandes, dessen Zeitgeist Land und Wirtschaften voneinander getrennt hat.

Diese Trennung von Land und Wirtschaft ist eine Folge des globalen Wettbewerbs, der alle Produktion an die Standorte lenkt, wo es am Billigsten geht. Damit haben sich Bauern und Konsumenten entfremdet mit zweierlei Folgen. Einmal haben die Konsumenten den Bezug zu Anbau und Herstellung ihrer Nahrung verloren und die Bauern unter dem Druck des Marktes zur Spezialisierung den Bezug zur vielfältigen Agrarkultur, die unsere Kulturlandschaft hervorgebracht hat. An dieser Situation kann Marketing mit noch so idyllischen Bildern wenig ändern, weil es ein Instrument desselben  Wettbewerbes ist, der zur Spezialisierung gedrängt hat. Und auch die Aufforderung der Konsumenten regional einzukaufen kann an der Situation der Bauern wenig ändern, weil ihre spezialisierte Erzeugung die Bedürfnisse nicht erfüllen kann. So ist mit dem vermeintlich freien Markt die klassische Solidarität von Stadt und Land ebenso verloren gegangen, wie die Solidarität unter den Bauern, die miteinander um Land und Absatz konkurrieren. Denn die Triebkräfte ums Überleben sind Wachstum, Beschleunigung und Geld. Womit die Landwirtschaft in eine Tretmühle steckt:

Tretmühle

Keine Agrarreform oder Agrarwende hat bisher das Wachsen und Weichen in dieser Tretmühle bremsen können. Vielmehr wird sie von den Flächenprämien und Förderungen von Diversifikation und höheren Standards wie Öko und Tierwohl sogar beschleunigt. Dabei bekommen die Bauernfamilien die Folgen immer mehr zu spüren. Einerseits weil sie wie beim Nitrat im Grundwasser oder dem Artenschwund pauschal an den Pranger gestellt werden und anderseits weil ihr Überlebenswille sie zu überfordern droht und ihre Nachkommen abschreckt. Die üblichen Diskussionen um bäuerliche oder industrielle oder um konventionelle oder ökologische Landwirtschaft lenken von diesen Belastungen ab, solange es zur Logik unseres Wirtschaftssystems gehört, dass der Primärsektor Landwirtschaft schrumpfen muss damit Lebensmittel billig bleiben.

Eigentlich weisen Begriffe wie Offenhaltung der Landschaft und Landschaftspflege schon lange darauf hin, dass die Politik sich schon lange dieser marktwirtschaftlichen Realität gebeugt hat. Wenn auch niemand zugeben will,  dass die Erzeugung der Berglandwirtschaft eigentlich nicht mehr gebraucht wird, verspüren es die Bauern. Weshalb die einen resignieren und aufgeben und andere im Glauben durch Wachsen und Nutzung von Nischen überleben zu können sich weiter in der Tretmühle drehen. So bleibt auch der Trend nach Regionalität eine Illusion, solange regionale Erzeugung und regionaler Konsum meilenweit voneinander entfernt sind. Denn unser Gemüse kommt heute überwiegend aus der spanischen Plastiklandschaft Almaria, obwohl im Rheintal und am Bodensee eigentlich auch alles wachsen würde. Und im Schwarzwald erzeugen wir Milch oder Rindfleisch im Wettbewerb mit Billigländern. Die geopolitische Entwicklung zeigt, dass wie der freie Weltmarkt sogar große Länder ängstigt. In dieser Auseinandersetzung gerät die Agrarpolitik weiter an den man den Rand. Umso wichtiger ist in unseren Köpfen die Bodenhaftung in den Vordergrund zu rücken um der Globalisierung Anker geben. Dazu folgende Thesen für unsere Aufklärungsarbeit:

  1. Mehr Wissen um den eigenen Boden und die Wirtschaft, statt sich im globalen Markt treiben zu lassen.
  2. Entschleunigung für mehr Lebensqualität statt Überforderung durch Beschleunigung.
  3. Weder wachsen noch weichen, um die innerlandwirtschaftliche Konkurrenz zu vermindern.
  4. Kooperation statt Wettbewerb, um gemeinsam gegen die Marktmächte stärker zu werden.