Die Erosion der Gemeinsamkeiten

kam selten so deutlich zum Ausdruck, wie in der ungewöhnlichen Hitze in diesem Sommer. Während ähnliche Ernteausfälle in früheren Jahrhunderten eine Hungersnot zur Folge hatten, sind sie heute für die Medien nur noch unternehmerisches Risiko der Landwirtschaft. Während hierzulande aufgrund er langen Hitze Felder und Berge verdorren und auch im Norden Wälder brennen, jettet und fährt die Freizeitgesellschaft im Stau in den noch heißeren Süden, um zu Urlauben. Während das Wasser in den Flüssen knapp wird, wird der Erdüberlastungstag, der dieses Jahr schon am 1. August und damit mitten in der Hitzeperiode lag, als Ursache kaum zur Kenntnis genommen. Stattdessen wird verkündet, die Landwirtschaft müsse sich eben an den Klimawandel anpassen und andere Pflanzen anbauen. Erinnert dieses Verhalten nicht an die Geschichte vom Untergang der Titanic?

Es ist zwar richtig ist, dass der Landbau sich an die Klimaerwärmung anpassen muss. Aber haben das die Bauern nicht immer getan? Sie haben doch das angebaut, was am jeweiligen Standort am besten gewachsen ist. Erst die Wohlstandsgesellschaft hat die  Anpassung an den globalen Supermarkt gefordert. Dem idyllische Bilder von tradierten Bauernhöfen und Landschaften als Marketing dienen. So ist es nicht verwunderlich, dass seine Kunden von herrlicher Natur mit niedlichen Tieren wie Biber, Wildschweinen und Wolf träumen. Haben also die global versorgten Supermärkte blind gemacht für die wirklichen lokalen Gemeinsamkeiten von Menschen und Natur?

Schwarzwaldbauern sind in dieser Situation gleich zweifach Opfer. Einmal weil sie im globalen Markt immer weniger wettbewerbsfähig sind. Und zum anderen, weil ihre sandigen und flachgründigen Böden früher unter Hitzestress leiden. Beides wird aber von denen, die Klima, Natur, Tiere oder Umwelt schützen wollen, gern übersehen. Unsere Vorfahren haben Böden noch unterschieden nach leichten und schweren. Viele Flurnamen erinnern daran. Leichte Böden waren leichter zu bearbeiten als schwere, brachten aber oft nur leichte Ernten, weil sie in Trockenperioden weniger Wasser speichern können. So sind im Laufe der Zeit an Boden und Klima angepasste regionale Wirtschaftsweisen mit eigenen Sorten und Rassen entstanden. Auf den lokalen Märkten und bei Viehschauen fanden sie gemeinsame Interessen. Der freie Markt als Folge des technischen und chemischen Fortschritts verdrängte mit seinen Einheitssorten und -rassen diese angepassten Sorten und Rassen. Jetzt in der Dürre nur von den Bauern Anpassung zu fordern, hört sich zynisch an.

Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind, hat der  große Physiker Einstein schon gesagt. Die Denkweise der Moderne hat uns in die Klimaerwärmung geführt. Der politische Aktionismus des Schützen wollen entstammt dieser Denkweise und spaltet mit seinen Siegeln Gemeinschaften, ohne die Probleme lösen zu können. Deswegen sehen wir die Dürre als Herausforderung, sich auf lokal und regional angepasste Wirtschaftsformen zu besinnen, statt im globalen Wettbewerb mitzurennen und an seinen Folgen zu scheitern. Deshalb ist Boden und Wirtschaft verstehen unser Programm.

Eine Utopie, die dazu vor der Hitze geschrieben worden ist:                                            Weide 4.0_Der Schwarzwald 3.18