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Unser Motto: Kulturwandel statt Strukturwandel

Denn im Strukturwandel wird letztendlich kaum ein Schwarzwaldbauer überleben, wie es sich in immer mehr Tälern zeigt. Die folgende Darstellung des Wandel der Landnutzung und der Zahl der Höfe in einer repräsentativen Gemeinde im Hochschwarzwald zeigt, wie die Zahl der Höfe abnimmt und Siedlungsflächen in den Tälern zunehmen sowie Schutz- und Pfleggebiete und damit die weltbekannte Kulturlandschaft ihr Gesicht verliert:

An der Entwicklung der Zahl der Höfe wie der Landnutzung sind zwei Kippunkte zu erkennen:

Um 1800 war der Schwarzwald weitgehend abgeholzt. Mit Beginn der Industrialisierung wurde Holz durch Kohle ersetzt. Damit stand die überwiegend vom Holz und Holzgewerbe lebende Bevölkerung vor der Herausforderung: Auswandern oder hier neue Tätigkeiten finden. So wurden viele der großen Urhöfe aufgeteilt, um Nachkommen auf eigenen Hofstellen eine Existenz zu ermöglichen und sich selbst versorgen zu können. Viele Hofnahmen wie z.B. Wagner sind Zeugen dieser Gründung neuer Erwerbskombinationen. Gleichzeitig entstanden in den Tälern nach dem Vorbild der Sägemühlen die ersten mit Wasserkraft betriebenen Manufakturen. Damit wuchs die lokale Nachfrage nach Lebensmitteln. Um sie zu befriedigen, wurden die Wildes Feld genannten Weidberge urbar gemacht zu Äckern und Mähwiesen und in Verbindung mit den neuen Waldgesetzen wurden die weniger günstigen Lagen aufgeforstet.

Mit dem Wirtschaftswunder nach dem zweiten Weltkrieg kippte diese Entwicklung. Die regionale Versorgung verlor mit der Mobilität im freien Markt ihren Wert. Die Arbeitskräfte von den Höfen wanderten wegen Verdienst und Freizeit in die Industrie. In der Landwirtschaft mussten Arbeitskräfte durch Maschinen ersetzt werden. Der dafür notwendige Kapitalbedarf zwang zu Rationalisierung und Spezialisierung und zum höflich Strukturwandel genannten Wachsen und Weichen. Die Landschaft wurde monotoner und das Erfahrungswissen der regionalen Versorgungskultur wurde zur Idylle. Denn Supermärkte mit globalem Angebot über-nahmen die lokale Versorgung. Die politische Debatte wankt zwischen Landschaftspflege, Freizeitpark und Wildnis.

Diesen Strukturwandel hat keine Agrarreform und keine politische Maßnahme zur Landschaftspflege und Ökologisierung aufgehalten. Die in der Grafik ange-nommene Abflachung der Kurve der Zahl der Höfe hat sich trotz Bio- und Regiotrend nicht bestätigt. Denn die neuen Treiber des Strukturwandels sind die wuchernden Regelungen zum Arten-, Klima-, Tier- und Umweltschutz, denen oft Sinn wie Bodenhaftung fehlt.

Wir sind der Meinung, dass wir an einem neuen Kipppunkt stehen, den der Weltagrarbericht schon 2008 beschrieben hat. Darin haben über 400 Wissenschaftler festgestellt, dass eine nachhaltige Welternährung mit dem jetzigen Ernährungssystem nicht zu sichern ist und folgende Kernforderungen erhoben, die wir teilen:

Ernährungssouveränität statt Produktion für den Weltmarkt

Agrarökologie (= standortangepasste Landwirtschaft) statt Ökostandards

Multifunktion statt Teilung in Schutz- und Nutzgebiete

Bäuerliche Strukturen statt globalem Wettbewerb

Diesen Kulturwandel verfolgen wir nach dem dem Leitspruch:

Global denken – lokal handeln – denk an die Deinen – aber handle universell.

Wir denken global, um zu verstehen wie der vermeintlich freie Weltmarkt unser Umfeld und die Agrarpolitik bestimmt.  

Wir handeln lokal, weil jeder Hof seine eigenen familiären, lokalen und kulturellen Bedingungen hat, die schwer mit globalen Standards in Einklang zu bringen sind.

Wir denken an die Deinen (die Eigenen), weil ihre Kultur und ihr Erfahrungswissen Identität stiften und Erfolgsfaktor für regionale Entwicklung ist.   

Wir handeln universell, weil wir unsere Schwarzwaldhöfe nicht nur als Produktionsstätte für den anonymen Markt sehen, sondern durch an Standort und Familien angepasste Entwicklung Selbstwirksamkeit erleben und gegen Krisen widerstandsfähiger werden wollen.

Die Thesen der Postwachstumsökonomie von Prof. Niko Paech u.a. sind unser Wegweiser.

Neue landwirtschaftliche Impulse bietet uns die neue Studie aus den Alpenländern über die Chancen der Berglandwirtschaft

Dabei ist ein Netzwerk mit immer neuen Gesprächspartnern entstanden, wie im Archiv nachzulesen ist.

                                                                                                                                                                                                                  

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