Was ist überhaupt bäuerlich?

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Der Begriff bäuerlich würde inflationär benutzt und diene immer häufiger als Vorspann-Mechanismus, betonte Gertraud Gafus bei unserem Schwarzwaldbauerntreff am 4. Februar 2017 auf dem Reinertonishof in Schönwald. Aus ihren Erfahrungen als ehemalige Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft forderte sie auf, den Begriff bäuerlich selbst aktiv zu nutzen, … Continue reading

Stärken und Schwächen neu denken

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Beim Schwarzwaldbauerntreff am 12. Januar 2017 haben wir die Stärken und Schwächen unserer Schwarzwaldhöfe hinterfragt. Verfolgt man die Medien, fällt auf, dass Nachrichten über die Landwirtschaft überwiegend nur noch Schwächen der modernen Landwirtschaft aufzeigen. So werden Nitrat im Grundwasser, Klimaschäden durch Tierhaltung sowie Tierschutz zu … Continue reading

Das Spiel mit den Bauern hat Tradition

Beim Schwarzwaldbauerntreff am 16. November 2016 erklärte unser Freund und  Konfliktforscher Franz Rohrmoser aus Salzburg die Hintergründe der Spiele mit den Bauern. Denn Bäuerinnen und Bauern haben immer häufiger das Gefühl, dass jemand mit ihnen spielt, weshalb wir Franz Rohrmoser zu diesem Thema eingeladen haben. Die endlose politische Aufforderung, wettbewerbsfähig zu werden, treibt viele Bauern und Bäuerinnen immer mehr zu machen. Vor lauter Arbeit erkennen sie in diesem Hamsterrad oft nicht mehr, wer dieses Rad antreibt und wer mit ihnen spielt.

Den Ausgang der heutigen Probleme hat Franz Rohrmoser in der Bauernbefreiung im 19. Jahrhundert ausgemacht. Dieser dieser Prozess ist in den einzelnen Ländern zwar nicht gleichzeitig, aber fast überall nach dem gleichen Muster abgelaufen. Im Schwarzwald hatte die Leibeigenschaft ja aus besiedlungs-taktischen Gründen eine gemäßigte Form, dennoch waren die Folgen ähnlich.

Die Bauernbefreiung erfolgte, ähnlich wie die meisten Agrarreformen auch heute noch, ohne Aufklärung und Bildung. In der vermeintlichen Freiheit verschuldeten sich viele kleinere Bauern und verloren ihr Land wieder an die Grundherren. So wurden diese Grundherren vielerorts zu Großbauern. Sie nutzen die aufkommende Genossen-schaftsbewegung für ihren Absatz, indem sie ihre Führung zum  Bau von Zucker- und Stärke-fabriken oder Meiereien übernahmen. Womit das genossenschaftliche Grundprinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ auf den Kopf gestellt wurde. Dadurch, dass die Kleinen vor den Karren gespannt wurden, war die Spaltung der Bauern programmiert.

Die gleichzeitig auftretende Arbeiterbewegung wurde zum Feindbild der von Großbauhutaufern geführten Politik, das sie bis heute mit einem Doppelgesicht zu verbergen versuchen. Vorne des Helfers und hinten Treibers für wirtschaftliche Interessen.

Rohrmoser nennt das Vkarrenziorspannmechanismus und bezeichnete das Wachse und Weiche als modernes Killersystem. Es nutzt die Eitelkeit, so sein zu wollen wie die Großen! Dieses Mitlaufen um auch groß zu werden schafft den Mitläufern durch Preisdruck aber schlaflose Nächte. Eine Verführung in die Zeit vor der Bauernbefreiung, die es zu erkenn gilt.

Damit lies Franz Rohrmoser uns Schwarzwaldbauern- und Bäuerinnen jedoch nicht allein. Vielmehr wies er darauf hin, dass es zum, da kann man nichts machen, sehr wohl Alternativen gibt. Er empfiehlt den Weltagrarbericht als Leitbild, nach dem Kleinbauern mit ihren Frauen entscheiden und Agrarökologie und Multifunktion ihre Alternative sind. Dazu gehöre selbstbewusst an die regionale Kultur mit Handwerkskunst anknüpfen, wie wir es bei unserer Infotour zu alpinavera in Graubünden beispielhaft gehört und gesehen habe (siehe nächster Beitrag). Die Stärkung dieses regionalen Selbstbewusstseins sei eine Bildungsaufgabe, der bei und seit der Bauernbefreiung vernachlässigt wurde. Dazu schlägt Franz Rohrmoser eine Bauernuniversität vor, in der bäuerliches Erfahrungswissen und wissenschaftliches Wissen zusammengeführt werden. Das Forum Pro Schwarzwaldbauern sei schon daran, meinte er, eine solche Bauernuniversität zu werden.

Neue Commons in den Bergen

Unsere Infotour am 22. Oktober 2016 hat unsere Vision bestätigt, dass das bäuerliche Überleben neben Suffizienz und Subsistenz neue Commons braucht. In Graubünden haben wir diesen für Berggebiete beinahe unglaublichen Gemein-schaftsgeist gefunden. Organisiert und begleitet hat diese Infotour Jasmine Said Bucher als Geschäftsführerin des Verein Alpinavera. Dieser seit zehn Jahren bestehende Verein unterstützt seine Mitglieder, Bauern und Lebensmittelhandwerker,  in den Ostschweizer Bergkantonen in Fragen des Marketing und der Absatzförderung. Wirkt quasi als Unterhändler zwischen Politik, Verwaltung, Lebensmittelhandwerk, Bauern und Konsumenten. Das klare Ziel ist, die Wertschöpfung für Produkte vom Berg zu steigern und Arbeitsplätze im Berggebiet zu sichern. Mehr: http://www.alpinavera.ch/

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Bei allen besuchten Projekten war derselbe Tenor zu hören, dass es ihnen um eine bessere Lebensqualität auf den Höfen und eine höhere Wertschöpfung ihrer Produkte aus den Bergen geht. Echtheit und Ehrlichkeit sind dafür Vorrausetzung, betonte die Alpinavera-Geschäftsführerin. In der Schweiz wurde deshalb ein klares Reglement geschaffen. Um mit regional nicht den Labelsalat für Konsumenten und auf den Höfen den Kontrolltourismus zu vergrößern, so Jasmine Said Bucher, damit regional wirklich der Entwicklung der Region diene.

Simon Wisler, der Präsident der besuchten Alpkäserei Parpan in der Region Lenzerheide ergänzte, dass Projekte zur regionalen Entwicklung Profis für Handwerk und Finanzierung brauchen. Damit Bauern am Erfolg teilhaben, müssen sie das Sagen behalten. Zum Beweis erwirtschafte so die Alpkäserei Parpan einen Milcherlös von 85 Rappen gegenüber dem Schweizer Durchschnitt von 50 Rappen. Mehr: http://www.alpkaeserei.ch/

Landwirtschaft in Graubünden findet in der Regel auf drei Stufen statt, dem Talbetrieb für den Winter, dem Maiensäß für den Frühling und Herbst und den Hochalpen im Sommer. Dabei sind Maiensäßen und Hochalpen traditionell Allmenden oder Genossenschaften, was wohl die Gründung neuer Gemeinschaften befruchtet. So haben in Churwalden vier Bauern diese Alptradition ins Tal geholt und auch für den Winter einen Gemeinschaftsstall gebaut. Bemerkenswert daran ist, dass der Stall eine  Besuchertribüne hat. Außerdem auch einen Raum für gesellschaftliche Anlässe, in dem die Schwarzwaldbäuerinnen und -bauern ein Käsefondue und die Bündner Nusstorte genießen konnten. Mehr: http://www.gemeinschaftsstall-churwalden.ch/Gemeinschaftsstall_2.html

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In dem Bündner Tal, wo sonst die Größen der Weltwirtschaft tagen, liegt das neue Fleischzentrum Klosters-Davos AG. Weil immer mehr Schlachtstätten die Hygieneauflagen nicht mehr erfüllen und schließen, entstand dieses Projekt regionaler Entwicklung als AG. Einerseits als Dienstleister für Mutterkuhhalter und Direktvermarkter und anderseits um Interessenten an der regionalen Entwicklung auch an der Finanzierung zu beteiligen, aber das Sagen bei den Bauern bleibt. Vom jungen Geschäftsführer Samuel Helbling erfuhren die Schwarzwälder erste Erfahrungen vom Schlachten, Verarbeiten und Veredeln zu regionalen Spezialitäten, wie Salsiz, einer Bündner Rauchwurst und Trockenfleisch. Aus diesem Entwicklungsprozess forderte er die Besucher auf, dass die Verbesserung der Wertschöpfung von Fleisch von Bergweiden beim bäuerlichen Selbstbewusstsein zum Fleisch beginne. Mehr: http://www.fleischzentrum.ch/

Demselben Geist begegneten die Schwarzwälder auch im Laden Bärg Pur in Küblis. Dort haben zwei Bäuerinnen auf die Tradition der ehemaligen genossenschaftlichen Dorfkäserei  aufgebaut und ihren Laden für ihre Bündner Spezialitäten eingerichtet. Mehr: http://berg-pur.ch/

Diese Infotour ins Heidiland, wie die Ostschweiz touristisch wirbt, hat den  Schwarz-waldbäuerinnen und -bauern deutlich zu machen versucht, dass nicht traditionelle Symbole (wie Heidi oder der Bollenhut noch keine regionale Entwicklung bringen, sondern nur das bodenständige Wirtschaften und Leben.