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Beim 7. Yacher Symposium am 25. Juli 2020 wurde das oft strittige Verhältnis Naturschutz und Landwirtschaft in ungewöhnlicher Form beleuchtet. Schade, dass die Coronaregeln die Besucherzahl begrenzt hatten, denn es wurden Zusammenhänge genannt, die sonst vom Naturschutz wie von der Landwirtschaft verdrängt werden. In Yach und den weiteren Seitentälern um den landwirtschaftlichen Grenzstandort Rohrhardsberg wurden seit 30 Jahren versucht mit Naturschutz-maßnahmen die biologischen Hotspots zu erhalten. Bei dem Symposium wurde die stabilisierte Situation analysiert und von Naturschützern, Historikern, Wissenschaftler und Tierzüchter neue Probleme thematisiert.

Der Naturschützer Bernd-Jürgen Seitz hat mit dem Yacher Historiker Heiko Haumann in einem Buch die Erfolge aufbereitet, das beim Symposium vorgestellt wurde. Dazu wurden mit sieben Bauernfamilien Gespräche geführt und ihre Erfahrungen und Sorgen dokumentiert. Darin zeigt sich, dass der Blick auf den Artenschutz allein für langfristige Lösungen zu kurz greift, weil sich die anderen Rahmenbedingungen der Bauernfamilien wandeln. Dabei kamen drei neue Bedrohungen für diese  naturnahen Landschaften zur Sprache. Einmal kollidieren sie immer mehr mit dem agrarpolitischen Kontrollsystem, das die biologischen Hotspots als Bruttoflächen ausschließt. Dann wird die an Landschaften gepasste Viehhaltung der Engpass. Und das kulturelle Erfahrungswissen der Familien in diesen Landschaften wird von der Moderne verdrängt.  

Die Landschaft nicht nur als Idylle zu sehen, sondern ihre Gestalter und deren Triebkräfte zu verstehen, war das Ziel des Symposiums. Denn nur Blockhalden, Bäche und Moore sind Reste der ursprünglichen Natur, alles andere ist von Menschen gestaltete Kulturlandschaft. Die hat mit der Besiedelung und Auflichtung des Waldes im zehnten Jahrhundert ihren Anfang genommen und zur Zunahme der Biodiversität geführt. Mit Beginn der Neuzeit schrumpfte der Wald extrem, die Flößerei ist ein Zeuge. Die Obrigkeit regierte mit Waldgesetzen. Gerettet habe den Wald aber die Kohle. Damit begann die Trennung der Landschaft zwischen Wald und Weide. Zwischen Aufforstung mit Fichten und Konzentration der Landwirtschaft auf Äcker und Mähwiesen. Nach dem zweiten Weltkrieg verlor die Landwirtschaft ihre Bedeutung, so dass weiter aufgeforstet wurde und die Sorge um die Offenhaltung der Landschaft begann.

Weiden und Weidetiere waren in dieser Entwicklung aus dem Blickfeld geraten. Dabei gibt es Mähwiesen erst seit 200 Jahren, während Weiden Teil der Besiedelung waren. Gemeinsam ist, dass ihr Artenreichtum mit der extensiven Tierhaltung zusammenhängt. Zudem fördern Kuhfladen die Vielfalt im Bodenleben. Trennend war der Ausschluss der Weidetiere aus dem Wald, was zu scharfen Rändern führte, die die Vielfalt der Zwischen-räume verdrängten. Ähnlich ist es bei den Nutztieren. Die angepasste Arten und Rassen wurden von wenigen Leistungsrassen verdrängt. Im Natur-schutz glaubte man, die nötigen Weidetiere einfach zukaufen zu können. Angepasste Tierzucht ist aber Selektionsaufgabe in Generationen, die Wissen um Vererbung braucht.

Landschaftsqualität sollte Maßstab im neuen Naturschutz anstelle des Schutz einzelnen Arten. Dazu gehören Menschen, die Naturgüter nicht nur pflegen, sondern in ihre Kultur integrieren. Als Beispiel wurde die Käsekultur der Vogesen genannt, die artenreiche Bergweiden, Kühe und Käse zum Genuss machen. Noch herrscht in Naturschutz wie Landwirtschaft und Wald jedoch Nutzungstrennung. Über Regelungen, die nur Details und nicht die Landschaftsqualität als Ganzes im Blick haben.  Landschaftsqualität zeigt sich als Harmonie, die immer mehr fehlt. Dazu ist Aufklärung statt Regelungen die Vorrausetzung. Das Yacher Symposium war ein Anstoß dazu.  

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