Gut Leben am Bauernhof

Das wollten beim Schwarzwaldbauerntreff am 23. Februar 2019 im Engel in Brigach eigentlich alle. Doch die Vorstellungen darüber sind so  vielfältig wie die strukturelle und familiäre Situation der einzelnen Höfe und wanken mehr denn je zwischen den  wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen sowie den Bildern von der bäuerlichen Idylle. Deshalb hatten wir einen Gesprächspartner eingeladen, der Bauer geworden ist, um gut zu Leben. Markus Bogner stammt nicht aus der Landwirtschaft, aber hat mit seiner Frau, einer Bauerntochter, im Tegernseer Tal in 800 m Höhenlage den Boarhof mit 10 ha gepachtet. In einer Gegend, wo wie im Schwarzwald, die Landwirtschaft seit 50 Jahren auf Grünland und Kühe spezialisiert ist, haben Bogners mangels eines entsprechenden Stalles mit dem landwirtschaftlichen Mainstream gebrochen nach dem Motto „selbst denken – selbst handeln – selbst versorgen“. Markus Bogner will die am Boarhof aufgebaute Vielfalt von Gemüse, Obst, Brotgetreide und Kleintieren aber nicht als neue Standbeine oder gar Geschäftsmodell verstanden wissen, sondern als Weg zu einem nachhaltig Guten Leben.

Kapieren statt kopieren 

Der Zeitgeist der Informationsgesellschaft verbreitet massenweise Kopien von Ideen.  Wenn der Erfolg mit Kopieren nicht einkehrt, schiebt das System die Schuld auf die Nutzer. Deshalb überlässt Markus Bogner die Verbreitung seines Weges nicht anderen, sondern macht das selbst , mit einem Buch und über Vorträge, Seminare und WorksTitel_Bogner_Kleinbauer_cmyk_Pressehops. Damit Interessierte die hinter der Idee steckenden Einsichten und Erfahrungen direkt kennen lernen und kapieren. Dazu vergleicht er die Entwick-lungen in der Landwirtschaft mit der Entwicklungshilfe,   wo übernommene Konzepte in der Regel bestehende Strukturen zerstören und damit den Gewinn abwandern lassen. Zudem beflügele dieses Kopieren über Leistungs-steigerungen Neid und Gier.

Die Philosophie vom Guten Leben am Bauernhof

Die Lehre der modernen Landwirtschaft besagt, dass man mehr Gewinn machen muss, um sich mehr  zum Leben leisten zu können. Als Gegenstück hat man am Boarhof die urbäuerliche Philosophie neu gedacht:

  • mit eigenen guten Lebensmitteln Gut Leben!
  • Die Vielfalt der traditionellen Versorgungskultur entdecken.
  • Die Wertschöpfung der Überschüsse selbst in der Hand behalten!
  • Was nicht konsumiert oder verkauft werden kann, selber veredeln!
  • Diese Philosophie selbst weitergeben!

Der knappe Faktor bei dieser Hofphilosophie ist nicht die Fläche, sondern die Kreativität der Familie. Natürlich hadert Markus Bohner bei der Umsetzung auch mit den vielen Regulierungen. Aber durch die Vielfalt des kleinen Hofes kann er leichter reagieren und ist somit widerstandsfähiger.

Probleme versus Visionen

Markus Bogner forderte nach dem Mittagessen die Teilnehmer auf, ihre Probleme und  ihre Visionen in je einer Gruppe aufzulisten. Weil wir mit kleinen Veränderungen große Probleme hätten und hinter Problemen Sehnsüchte nach Besserem stehen. Bei der Gruppenarbeit fiel auf, wie vermeintlich wirtschaftliche Sachzwänge die wirklichen Probleme verdrängen und wie politische Regelungen die Begeisterung hemmt, aus der Visionen entstehen. In der folgenden Folie sind die erkannten  Probleme alphabethisch aufgelistet und die passenden Wünsche und Visionen gegenübergestellt:

Probleme

Schritt für Schritt zum guten Leben   

Weil es zu einem Guten (= freien, eigenständigen und nachhaltigen) Leben keinen Schalter gibt, den man einfach umlegen kann, empfahl Markus Bogner zum Schluss sich bei jeder Entscheidung zu fragen, ob sie im Gleichgewicht steht zwischen ökonomischen Wünschen, ökologischen Möglichkeiten und sozialer Verträglichkeit? Denn bei jedem Schritt, wo dieses sog. Nachhaltigkeitsdreieck als Leitmotiv Schlagseite habe,  fühle man sich nicht gut. Ist der Schritt ausgewogen, wird das Leben fehlerfreundlicher, weil es von eigenen Werten statt von fremdbestimmten Preisen und Sachzwängen bestimmt wird. Ein Impuls  für unser Kulturerbe Schwarzwaldhöfe, der uns noch weiter beschäftigen wird.