Bäuerlich – Marketingstrategie oder nachhaltige Lebensform?

Obwohl das höflich als Strukturwandel umschriebene Bauernsterben ungebremst weitergeht, sind Gegenmodelle so selten wie das Schaltjahr. Deshalb haben wir beim Aschermittwochsgespräch 2016 die Bäuerliche Ökonomie als Modell für Nach-haltigkeit mit Dr. Josef Hoppichler von der Bundesanstalt für Bergbauernfragen in Wien zum Thema gemacht. Hoppichler hat die Wurzeln der bäuerlichen Ökonomie in der Antike ausgemacht. Denn Aristoteles habe unterschieden zwischen oikonomiké als naturgemäße Erwerbskunde und chrematiké als Erwerbskunde der Handwerker und Krämer. In oikonomiké  sah Aristoteles die besondere Kunst einen Haushalt mit einer vorsorgenden Lagerhaltung zu betreiben. Also nicht Gelderwerb wie bei den Krämern stand im Vordergrund, sondern die Erhaltung des Bauernhofes. Hier ist Hoppichlers Vortrag aus dem Kritischen Agrarbericht zum Nachlesen:   KAB2016_Kap10_283_289_Hoppichler

Mit der Industrialisierung hat das Krämerdenken – das nie genug haben – die bäuerliche Kunst des Haushaltens verdrängt. Engels bezeichnete sie 1894 gar als machtlos veraltete Kleinbetriebe, über die die kapitalistische Großproduktion hinweg gehen wird, wie ein Eisenbahnzug über eine Schubkarre. Hat aber nicht diese kapitalistische landwirt-schaftliche Großproduktion nach den Vorstellungen von Engels und Marx knapp hundert Jahre später zum Niedergang der Sowjetunion beigetragen? Umso verwunderlicher ist es, dass dieser Größenwahn seither im Westen vergöttert wird.

Er hat Bäuerinnen und Bauern in einen Widerspruch gestürzt zwischen ihrer traditionellen Prägung zum Haushalten und der neoliberalen These vom endlosen Wachsen. So ist in dieser Sinnkrise aus der bäuerlichen Selbstausbeutung in Notzeiten häufig eine permanente Überforderung geworden (auch von Boden, Pflanzen und Tieren). Weshalb  immer mehr Wachstumsbetriebe aufgeben, während noch größere Betriebe diese Überforderung mit (billigen) Fremdarbeitskräften zu überwinden versuchen.

Die Agrarpolitik behauptet mit ihren Maßnahmen diesen Strukturwandel abzufedern. In Wirklichkeit belohnt sie mit Ha-Prämien das Wachsen und den Strukturwandel.  Schon mit den ersten Flächenzahlungen, der Ausgleichszulage für Berg- und benachteiligte Gebiete, begann das Krämerdenken um Prämien, indem sich die von der Natur weniger oder nicht Benachteiligten benachteiligt fühlten. An der Bundesanstalt für Bergbauern-fragen wurde diese Problematik früh aufbereitet und in einer überparteilichen Partnerschaft der bis heute einmalige Berghöfekataster entwickelt. Dieser einzelbetrieblich gerechte Ausgleich hat wohl wesentlich zu dem gemäßigten Strukturwandel im österreichischen Bergland beigetragen. Auch zur einheitlichen Betriebsprämie hat diese Bundesanstalt längst einen klaren Vorschlag gemacht. Um ihr den strukturellen Druck zu nehmen, sollte sie nach dem (Standart-) Arbeitsbedarf statt nach Fläche gewährt werden.

Während bäuerlich immer häufiger wie regional und Bio zum Marketingargument der Discounter wird,  kommt auch die Wiederentdeckung der bäuerlichen Ökonomie von außerhalb. Von Menschen, die das Gaukeln mit Labels und idyllischen Bildern satt haben und die wahre Geschichte ihres Essens kennen wollen. Sie setzen diese Utopien um über Gärtnern in der Stadt oder Modelle solidarischer Landwirtschaft mit Bauern. Dabei ist die eigentliche Herausforderung, wie diese Ideen der autonomen Versorgung vor der Vereinnahmung durch die Mächte des Marktes zu schützen sind. Damit es diesen Ansätzen nicht wie dem Biolandbau ergeht, seit er Gewinn verspricht. Genau deshalb sollten wir Hoppichler‘s Aufforderung „Macht euch ein Gutes Leben am Land“ ernst nehmen und  Partner suchen, die nachhaltig und nicht wie Krämer denken.