Glücklicher ohne Wachstum

Zum Frühlingsanfang veröffentlicht die UNO seit 6 Jahren den Weltglücksreport. Bei allen Zweifeln, ob man Glücksgefühle messen kann, ist bemerkenswert, dass die Initiatoren damit bewusst machen wollen, dass zum Glück neben Geld ein hohes Maß an gegenseitigem Vertrauen, gemeinsamen Zielen, Großzügigkeit und guter Demokratie gehöre. So ist es wenig verwunderlich, dass nicht die wirtschaftlich Großen die glücklichsten Länder sind, sondern kleine europäische Länder wie Norwegen, Dänemark, Island und die Schweiz. Aus bäuerlicher Sicht wäre zu ergänzen, dass in  diesen Ländern auch Land und Landwirtschaft sowie Fischerei einen hohen Stellenwert haben.

Glücklicher ohne Wachstum,  

ist auch die Botschaft von unserem Aschermittwochsgespräch mit dem Postwachs-tumsökonomen Prof. Niko Paech. Mit deutlichen Beispielen hat Niko Paech erklärt, dass eine nach-haltige Entwicklung mit dem herrschenden Wachstumsdenken nicht geht. Nicht nur, weil endloses Wirtschaftswachstum an ökologische Grenzen stoße, sondern auch an psychische Grenzen bis zum Kulturzerfall. Produkte mit Öko- und Nachhaltigkeitszertifizierungen dienen bestenfalls dem guten Gewissen. Nachhaltig sei eine Frage des Lebensstils, betont der deutsche Vordenker der internat-ionalen Degrowth- oder Postwachstumsbewegung. Das Charmante an dieser Bewegung ist, dass sie weder Rezepte noch Richtlinien hat, sondern zum Mitgestalten auffordert auf 3 Ebenen:

Lange (globale) Produktionsketten reduzieren

Unser Lebensstil ist auf globaler Arbeitsteilung und Spezialisierung aufgebaut, indem alles dort produziert wird, wo es am billigsten ist. Wozu heute alles um die Welt transportiert wird. Dieser globale Versorgungsstil ist es, der nicht nur das Klima killt, sondern Biodiversität, die bäuerliche Landwirtschaft, regionale Strukturen und Kulturen. Deshalb ist sich Niko Paech sicher, dass diese globale Ökonomie schrumpfen muss, damit wir überleben. Also Ernährungssouveränität statt Weltmarkt, wie schon der Weltagrarbericht vorschlägt!

Regionale Versorgungskreisläufe ausbauen

Regional ist in der Werbung zwar in. Sind es aber nicht dieselben Supermärkte mit ihren globalen Angeboten, die regionalen Kreisläufe untergraben? Die Postwachstumsökonomie setzt deshalb nicht auf  Werbung, sondern fragt: wie können wir uns aus überschaubarem Umkreis mit dem Lebensnot-wendigen versorgen? Um auch gegen die Krisen der globalen Versorgung widerstandsfähiger zu sein.

Vom Markt unabhängiger werden  

Gelderwerb und Markt sind die beiden Pfeiler unseres Wohlstandes. Die Grenzen des Wachstums lassen diese Pfeiler wanken. Eine Form von Wohlstand sieht die Postwachstumsökonomie in freier Zeit. Um Glück nicht mehr
zu kaufen, sondern es in Eigenarbeit und in Gemeinschaften zu erleben.

Wir sehen im Weg ins Postwachstum wieder eine bäuerliche Zukunft, wie die beiden weiterführenden Berichte aus der Zeitschrift Bäuerliche Zukunft beschreiben:

BZ_März.17_Etwas merh Hirn,

BZ_3.16_ Bauernhof_Postwachstum