Kapieren statt Kopieren

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Unsere Infotour am 20. Oktober 2017 führte zur Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH). Schwarzwaldbäuerinnen und -bauern vom Wiesental bis zum Murgtal wollten wissen, warum dort gelungen ist, was im Schwarzwald immer wieder scheitert. So wirkte es fast wie ein Wunder, was … Weiterlesen

Neue Commons in den Bergen

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Unsere Infotour am 22. Oktober 2016 hat unsere Vision bestätigt, dass das bäuerliche Überleben neben Suffizienz und Subsistenz neue Commons braucht. In Graubünden haben wir diesen für Berggebiete beinahe unglaublichen Gemein-schaftsgeist gefunden. Organisiert und begleitet hat diese Infotour Jasmine Said Bucher als Geschäftsführerin des Verein … Weiterlesen

Lokale Netzwerke statt globalem Handel

Dieses Ziel verfolgen drei verschiedene Initiativen im Breisgau, die wir bei unserer Infotour am 22. August 2015 besucht haben. In Eichstetten am Kaiserstuhl wollten ein Gärtner und ein Bürgermeister  sich nicht dem Strukturwandel beugen, der Dörfer entleert und Bauern an den Rand drängt. Sie wollten die ländliche Vielfalt weiter entwickeln. Statt für den Wettbewerb um Gewerbegebiete entschieden sie sich als Bürgerkommune 2001 mit einem eigenen Leitbild für ein nachhaltiges Stadt-Land-Verhältnis im Speckgürtel von Freiburg.  Weil Banken wie Staat aber diese ländliche Vielfalt nicht fördern wollen, begann der Gärtner Christian Hiß dieses System zu hinterfragen und gründete 2006 die Bürger-aktiengesellschaft Regionalwert AG, in die er als  Geschäftsführer wechselte. Sein Ziel damit ist, statt Aufgabe von Hof um Hof hinzunehmen, jungen Landwirten ohne Hof zu Arbeitsplatz und Existenz zu verhelfen. Um der Sackgasse der Spezialisierung und Überlastung bäuerlicher Familien zu entkommen, strebt die Regionalwert AG eine Wertschöpfungskette regionaler Vielfalt von eigenständigen Höfen, Verarbeitern und Läden an. start-Richtig-rechnenRichtig Rechnen ist dabei die These von Christian Hiß, worüber er gerade ein brisantes Buch geschrieben hat. Denn billig im Supermarkt berücksichtigt nicht die Lebensqualität der ländlichen Umwelt, nach der sich die Gesellschaft sehnt  und die Werbung vorzugaukeln versucht. Für die Aktionäre der Regionalwert-AG ist diese vielfältige Kulturlandschaft die Dividende.

Pädagogik statt Event ist das Motto des Permakulturzentrum Häuslemaierhof in Buchenbach. Seine  Tierhaltung dient der Mensch-Tier-Begegnung, womit Familie Gans Schulkindern unserer entfremdeten Gesellschaft sinnvolle Bodenhaftung vermitteln will. Die Permakulturgruppe Dreisamtal versucht die Teile des Hofes, die keinen Wert mehr haben, neu zu gestalten. Raine werden mit Obstbäumen und Kräutern bepflanzt und neue Nutzungen für Feuchtgebiete versucht. So ist der Häuslemaierhof zum Ort der Experimentierfreude außerhalb des Mainstreams, des nie genug haben, geworden.

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Gesprächsrunde im Lebensgarten Dreisamtal mit Häuslemaierhof im Hintergrund

Im Lebensgarten Dreisamtal lautet das Motto die Ernte Teilen. Als Form sozialer Landwirtschaft wird nicht für den Markt Gemüse erzeugt, sondern für einen Verein von Konsumenten, die den Anbau vorfinanzieren und dafür wöchentlich ihren Teil der saisonalen Ernte erhalten und somit das naturgegebene Risiko mittragen.  Inzwischen bebauen drei GärtnerInnen in Teilzeit über 2 ha und die Mitglieder haben die Möglichkeit zum Mitgärtnern. Zum Wühlen im eigenen Boden als Alternative zum Wühlen im anonymen Supermarkt! Auch die Wiederentdeckung von Einkochen und eigener Vorratshaltung gehört dazu.

Gemeinsam ist allen drei besuchten Initiativen die Bebauung des eigenen Bodens. Bei ihnen ist Regional mehr als Schlagwert zur Werbung im anonymen Markt. Dabei ist besonders bemerkenswert, dass diese Initiativen nicht von oben empfohlen oder verordnet worden sind, sondern dass es Eigeninitiativen sind von Menschen die wollen. Wir pflegen diese Kontakte, nicht um sie zu kopieren, sondern um sie zu kapieren! Vielmehr sehen wir die Herausforderung, die Rolle der Schwarzwaldbauern im Mainstream zu hinterfragen und Gedanken um ganz neue Netzwerke vom Schwarzwald mit umliegenden Städten zuzulassen.

Artgerecht ist nur die Freiheit

Zu dieser Einsicht kamen die Teilnehmer unsSONY DSCerer Exkursion zu den Albbauern am 4.September 2014. Die Uria-Herde der Familie Ernst Hermann Maier in Balingen-Ostdorf überzeugte nicht mit Technik, sondern durch überzeugendes Tierwohl in Freiheit. Ohne Gruppenzwänge können die Tiere fressen, saufen und ruhen, wie sie wollen. Der Hintergrund für diese Haltungsart ist aus dem Entschluss von Ernst Herrmann Maier entstanden, dass kein Tier mehr lebend den Hof verlässt um den Stress Beim Verladen zu vermeiden. Da eine solche Absicht im Verordnungsdschungel nicht vorgesehen ist, musste Ernst Herrmann Maier 13 Jahre dafür kämpfen.  Weil er in dieser Zeit kein Tier verkaufen konnte, ist die Herde gewachsen und das Futter oft knapp geworden. Die Umsetzung seines Plans, auf der Weide zu töten, erforderte zudem ein eigenes Schlachthaus.  Geschlachtet wird jetzt aus der Uria-Herde was überzählig ist und das Fleisch wird direkt vermarktet. Mehr unter www.uria.de

Der Altschulzenhof in Hayingen-Münzdorf sieht auf den ersten Blick eher Altschulzenhoftraditionell aus. Und zwar, weil die Familie Engst in Wertschöpfung investiert hat in Form einer Hofkäserei und Ferienwohnungen.  Nachdem sie ihnen eigenen Markt gefunden hatten, haben sie mit einem Nachbarn, der aufgeben wollte, kooperiert. Ungewöhnlich für die Alb sind ihre Milchkühe auf der Weide in Verbindung mit einem Weidemelkstand. Um die Stallarbeit zu erleichtern ist jetzt ein Kompoststall geplant, in dem jede Kuh liegen kann, wo sie will und der Mist die Bodenfruchtbarkeit der Albböden verbessert. Mehr unter: www.altschulzenhof.de

Die Impulse dieser Exkursion könnten manchen Schwarzwaldhof optimieren helfen. Nicht einfach zum Kopieren, sondern durchs Kapieren, dass für Tierwohl auch Freiheit der Bauern und Bäuerinnen notwendig ist.