Agrarökologie – weil es ums Ganze geht

Ökologie, die Lehre vom Haushalten der Lebewesen, ist modern geworden. Ökologischer  Landbau hat sich zur ökologischen Landwirtschaft gemausert. Die ökologischen Vordenker hinterfragen diese Entwicklung der grünen Ökonomie zunehmend kritisch, weil sie ihren Anspruch auf Nachhaltigkeit kurzfristigen ökonomischen Vorteilen (Gesetzen vom Haushalten) opfert.

Mit dem Weltagrarbericht ist für Ernährung und Landbau der Begriff Agrarökologie aufgetaucht. Was damit gemeint ist, hat uns Dr. Philipp Weckenbrock von den Agronauten zum Internationalen Tag der Berge erklärt. Drohen doch Berge zum ökologischen Feigenblatt der Moderne zu werden.  Im Zentrum der Agrarökologie stehen die lokalen natürlichen Ökosysteme, wo auch die Menschen Teil sind. Ihre Stichpunkte sind: Kreisläufe, Bodenbedeckung, Vielfalt oder Mischkultur sowie natürliche Dynamik.

Im Lauf des Gespräches offenbarte sich, wie sehr das Wissen um das lokale Schwarzwälder System von den Regeln des Marktes und der Politik verschüttet worden ist. Während in der Agrarökologie Krankheiten und Schädlinge als Fehler im System gesehen werden, werden sie in der modernen Welt bekämpft, was Philipp Weckenbrock kriegerisch nannte. Obwohl er aus der Forschung kommt, sieht er in den Bauern die eigentlichen agrarökologischen Forscher. Die Inspiration würden die traditionellen Systeme liefern, die es gelte mit modernen Möglichkeiten zu kombinieren. Er ist deshalb Liebhaber aller Sorten geworden und nannte die Alblinsen als Beispiel.

So könnte man Agrarökologie ganz einfach standortangepasste Landwirtschaft bezeichnen. Was etwas ganz anderes ist, als der Trend zur Teilung der Landschaft in intensive Produktionsbetriebe und ökologische Schutz- und Pflegegebiete. Agrar-ökologie berücksichtigt auch die sozialen Aspekte, was weder die Ökonomen noch die Ökologen allein tun oder können. Deshalb ist Agrarökologie für uns Impuls und Klammer für die im ablaufenden Jahr bearbeiteten Themen Solidarische Landwirtschaft, Bürgergesellschaften, Resilienz und Permakultur, weil es bei ihr ums Ganze der Schwarzwaldbauern geht?  Bestätigung hierfür erfahren wir von unserem Gesprächspartner vom Aschermittwoch 2002: K_P_4.15_BIO_Vogtmann

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